14. Oldtimertreffen am 26. und 27. April 2008

NWZ, 28.04.2008

Betagte Schlepper ziehen Lasten 


Immer mehr Nutzfahrzeug-Veteranen nach Bohlenbergerfeld

Tausende kommen zum Treffen der Traktoren und Nutzfahrzeuge


 
Auf der Aktionsstrecke erlebten die Zuschauer viele spektakuläre (und harmlose) Momente, wenn betagte Schlepper sich an schweren Lasten versuchten. BILD: HANS BEGEROW

BLAUER DUNST, ÖLGERUCH UND HACKSCHNITZEL: DIE EINDRÜCKE BEIM OLDTIMER-NUTZFAHRZEUGTREFFEN SIND VIELFÄLTIG.

VON HANS BEGEROW


BOHLENBERGERFELD - Kein Verdeck wie beim Cabrio, hohes Drehmoment wie beim Sportwagen, sattes Geräusch wie beim Motorrad – doch irgendwie sind Nutzfahrzeug-Oldtimer anders als ihre Pkw-Verwandten. Jürgen Fittschen aus Hude zum Beispiel hat es ein Herford-Standmotor angetan, der beachtliche 3,3 Tonnen wiegt und einen eigenen Tieflader (ebenfalls ein Oldtimer, gezogen von einem Kramer-Allrad-Veteran) braucht, um ihn zum Oldtimertreffen nach Bohlenbergerfeld zu fahren. Mit seinem Schwager Günther Seeberg aus Sandkrug brachte Fittschen den Standmotor in Gang. Weil hinten auf dem Tieflader noch Platz war, konnte auch noch ein anderer Standmotor mitgebracht werden, ein Güldner-Zweitakt mit 36 PS, der wiegt „nur“ 700 Kilogramm.

Fittschens Standmotor (früher in einer Mühle genutzt) war eine von vielen Attraktionen auf dem Veteranentreffen, das der Oldtimerclub Bohlenbergerfeld organisiert hatte. Mehr als 600 Fahrzeuge auf drei Hektar Fläche waren zu sehen. Der Ansturm war sogar so groß, dass rasch noch eine weitere Fläche dazugepachtet wurde, berichtete Sprecher Matthias Simon. 60 Mitglieder hat der Bohlenbergerfelder Oldtimerclub, und das erste Treffen der Saison zieht Jahr für Jahr mehr Sammler und Besucher an.

Zwei der Besucher waren Oskar und Elfriede Schmidt aus Hemmoor. Vor Jahren rettete Oskar Schmidt (66) einen der ersten Mercedes-Nachkriegslastwagen vor dem Schrottplatz, ein L 3250 mit 90 PS. Auf der Ladefläche und unter der Plane verborgen hat Schmidt ein kleines Wohnmobil eingebaut. Auf 3,6 mal 2,1 Meter sind Bett, Schränke, Heizung, Kühlschrank und Kochgelegenheit installiert. Sogar schon in Schweden waren die Schmidts mit ihrem Veteran gewesen.

Seine erste Ausfahrt absolvierte ein weiteres „Nachkriegskind“: Der Hanomag-Lastwagen L 28 aus dem Jahr 1952. Norbert Ostendorf hatte den Hanomag restauriert, der ein unmittelbares Fahrgefühl vermittelt, wie Ostendorf zugab. Recht laut ging es vonstatten von Varel nach Bohlenbergerfeld bei Tempo 65, „der nagelt“, beschrieb es Mitfahrer Frank Hruschka. Zwei weitere Mitfahrer aus der „Lastwagengilde“ der Vareler Oldtimerinteressengemeinschaft waren Rolf Decker und Rainer Meinjohanns. Decker hatte einen nicht restaurierten Hanomag von 1967 dabei.

Viel los war auf der Aktionsstrecke, wo betagte Schlepper sich an Schlepplasten versuchten. Mancher versank bis zur Achse im Schlamm – zum Vergnügen der zahlreichen Schaulustigen. Interessante Einblicke konnten die Besucher außerdem bei verschiedenen Maschinen erleben, die zeigten, wie früher gedroschen oder mit Maschinenkraft Werkzeuge angetrieben wurden. Ein Häcksler fabrizierte Hackschnitzel, angetrieben von einem Traktor über Treibriemen. Und einige Oldtimer-Pkw sowie Motorräder und Mopeds hatten ebenfalls den Weg nach Bohlenbergerfeld gefunden.

Zufriedene Gesichter bei den Organisatoren: „Alles bestens“, freute sich Vorsitzender Heiko Hurling, der Tausende von Besuchern zählen konnte. „Das wird immer mehr“, sagte er zur Besucher- und Ausstellerzahl. Viele von den Oldtimer-Besitzern waren mit zum Wohnwagen ausgebauten Bauwagen gekommen und hatten neben ihren Schleppern campiert.